Featured

Klöntaler See und Pragelpass am 30. August 2026

IMG 9416Am vergangenen Sonntag war der offizielle Slow Sunday im Klöntal. Die Auffahrt von Glarus an den Klöntaler See war autofrei und somit entspannt zu fahren. Na ja, scheinbar. Denn die Steigung war ja dennoch vorhanden und bis zum Klöntaler See sind es erst einmal 400 Höhenmeter auf den ersten 7½ Km. Stellenweise mit 14% Steigung, stellenweise recht eng und stellenweise kam dann noch das Postauto, der gelbe Bus, der die Wanderer hoch an den See brachte.

Wir starteten also kurz nach 9 Uhr am Bahnhof von Glarus unten im Tal. Die ruhige Beschaulichkeit wurde vom mächtigen Kirchengeläut unterbrochen. Ab dem nächsten Ort – Rieden – war dann für den Verkehr gesperrt und dies wurde polizeilich überwacht. Trotz des ordentlichen Anstieges hatten wir nach gut einer Stunde den See erreicht. Die plötzliche Aussicht auf den sonnigen See mit den gigantischen Felsmassiven war zum niederknien.

Man stelle sich die Strecke in drei Etappen vor. 1. Etappe: Anstieg von Glarus bin zum See, wie eben beschrieben. 2. Etappe die 6 Km eben den See entlang mit seinem tief türkis leuchtenden Wasser. Das hat etwas von der Fahrt entlang unserem Schwarzastausee hinter der Witznau, mit deutlich mehr beeindruckendem Drumherum natürlich. Steilabfallende und majestätische Bergkette, die entfernten Bergkämme mit der bis dahin nur zu erahnenden Passstraße, Campingplätze, Boote und das ohne die erwarteten Menschenmassen. Einfach eine Sensation zu dieser Vormittagsstunde.

3. Etappe war dann die Passfahrt hoch zum Pragel: 750 Höhenmeter über 12 Kilometer. Die 1. und 2. Etappe waren eben autofrei. Der Pragelpass selbst ist samstags und sonntags immer autofrei. Nach und nach wurden die Radfahrer wohl wach oder wir waren früh dran. Die ambitionierten und meist jüngeren Rennradler zogen an uns vorbei, was auch nicht verwunderlich war, weil wir immer wieder Pausen für Fotos oder den Genuss der wechselnden Aussichten machten.

IMG 9419

Auf der 3. Etappe. Kurzer Halt mit Blick zurück auf den Klöntaler See. So schön.

Der Pragel ist ein „Dreckspass“. Das ist eine Original-Aussage aus den 1980er-Jahren vom jungen Bernd Siebold, der diese Pässe seinerzeit mit dem Rennrad gefahren ist. Das ist mir in Erinnerung geblieben. Nicht ahnend, dass ich diesen Dreckspass in meinen 60ern mal fahren würde. Ja, von der einfacheren Glarus-Seite her und mit E-Bike natürlich. Da relativieren sich solche Aussagen halt stark, weil: Mit dem E-Bike ist das – bei aller Steilheit – durchaus gut fahrbar.

IMG 9424

Es wäre nun hoch interessiert zu wissen, welcher Kategorie dieser Anstieg wohl entspricht. Die Kategorien kennen wir möglicherweise von der Tour de France. Da gibt es die Kategorien 1 bis 4, wobei Kategorie 1 die schwerste ist und Kategorie 4 leichter sei. Das Sahnehäubchen ist die Kategorie HC, welche oberhalb der Kat-1 anzusiedeln ist. HC steht für „Hors Catégorie“ und bedeutet übersetzt „Außerhalb der Kategorie“ und steht für die extremsten, längsten und schwersten Anstiege der Rundfahrt. Also eher eine Sahnehaube als ein Sahnehäubchen.

IMG 9418

Ja, geht halt schon hoch.

Und dann kommt heraus, dass dieser Pragelpass "nur" für Kategorie 2 steht. Für höhere Weihen ist er zu wenig lang, zu wenig steil im Durchschnitt und hat zu wenig fiese Rampen. Subjektiv würde ich dem sofort widersprechen, da die Steigungen nicht mehr aufhören wollen. Fies ist natürlich wirklich relativ mit dem E-Bike. Wenn es brennt, kann man die 18%-Rampe ja durchaus mit dem Turbo-Modus wegatmen. Stress macht dann nur der eigene Kopf, der ständig um den Akku-Ladestand besorgt ist. Dieser war bei einer Gesamtleistung von 50 Km und 1200 Höhenmeter aber heute nicht in Gefahr. Der Eco-Modus war heute ausreichend.

Egal. Bei diesem schönen Sommerwetter Ende August war das wunderbar zu fahren und irgendwann waren wir doch oben auf 1550m bei wunderbarer Sicht auf diese Bergwelt der Glarner Alpen. Richtung Norden war die Rückseite des Druesbergs mit seinen knapp 2300m zu erkennen. Der Druesberg ist mit 2.282 Metern Höhe der markante, höchste Gipfel im Skigebiet Hoch-Ybrig, dass einige von uns Skifahrern sicher sehr gut kennen. Hoch-Ybrig ist für uns am Hochrhein eines der am besten zu erreichenden alpinen Skigebiete.

IMG 9432

Auf Passhöhe.

Bei unserem Vesper auf der Hochebene der Passhöhe konnten zahlreiche Radfahrer und -gruppen beobachtet werden, was durchaus interessant war. Manche in schützender Windjacke, andere zogen sich trockene Sachen an, wieder andere suchten den direkten Weg hinab ins Muotathal, wahrscheinlich Richtung Talstation Stoos. Erstaunlich war auf jeden Fall die nun große Zahl von Passfahrern aller Altersklassen.

Wir wählten nach ausgiebiger Pause den Weg zurück zum Klöntaler See und staunten weiter über die Aussichten, die wir bei der Hochfahrt ja im Rücken hatten. Die Abfahrt wollte kein Ende nehmen. Und diese ganze Strecke waren wir tatsächlich hochgefahren? Kaum zu glauben.

Und plötzlich tat sie sich wieder auf, die Aussicht auf den Klöntaler See von weit oben mit seinem extrem beeindruckenden Fels-Ensemble. Das würdest du gefühlt irgendwie gerne mitnehmen wollen, was uns zumindest mit den Fotos gelang.

IMG 9433

Und nochmal diese Ansicht, weil es so unglaublich schön ist. Nachmittags mit etwas anderem Licht. Wahnsinn.

Gegen Halb-Drei waren wir bereits zurück auf Seehöhe. Es war wieder wärmer geworden. Der sommerliche Sonntag war noch nicht vorbei und so nutzen wir die Lage des Campingplatzes zur horizontalen Erholung am See und legten die Beine etwas hoch. Die Badehose war dabei, ins Wasser hatte sie es dennoch nicht geschafft. Hat nicht viel gefehlt.

IMG 9441

Zurück auf Seehöhe am Ufer. Baden war möglich.

Später zogen ein paar Wolkenfahnen um die Gipfel und die Sonne versteckte sich. Irgendwann brachen wir auf, fuhren erneut den See entlang, um am aufgeschütteten Damm am anderen Ende eine weitere Aussicht zu genießen.

IMG 9442

Irgendwo ganz hinten auf der Höhe ist der Pragelpass.

Die Abfahrt ins Tal war dann durchaus entspannend für Bein und Muskel, einzig die Hände hatten ordentlich zu tun mit bremsen. Schön war´s, sehr schön!

Teilnehmer

Heidi und Martin Ruppelt.

Tour in Komoot

 

Unsere Touren-Klassifikation = M++

"M++" steht heute für die Strecke von rund 50 Km und 1180 Hm.

| Interne Legende zur Tourengröße |
| S = bis 20 Kilometer | M = bis 50 Kilometer | L = bis 80 KM | XL = bis 110 KM | XXL = größer 110 KM |
| + = größer 500 Höhenmeter | ++ = größer 1000HM | +++ = größer 1500HM | ++++ = größer 2000HM |

Weitere Bilder

IMG 9414

Start morgens am Bahnhof Glarus.

Aussicht nach der ersten Kehre hinter dem See.

IMG 9427

Wir nähern uns der Passhöhe. Dauert noch etwas.

IMG 9430

Aussicht auf den "Ochsenkopf". Rechts unten schlängelt sich der Weg nach oben.

IMG 9445